Der Übergang vom alten in ein neues Jahr wird sehr unterschiedlich wahrgenommen und gestaltet: die einen werden laut, die anderen eher besinnlich leise. Vom ausgelassenen Feiern bis hin zur wehmütigen Einsamkeit und oft sogar Vereinsamung spannt sich der Bogen.

Die einen wenden den Blick wehmutsvoll zurück und bleiben in der Vergangenheit hängen, während andere mit dynamischer Lebendigkeit schon ganz auf Zukunft ausgerichtet sind. Eine Einladung hat (hätte) der Jahreswechsel für alle bereit: einmal bewusst innezuhalten, bei sich selbst anzukommen, still und horchend zu werden, um das Vergangene sein zu lassen und vom Alten befreit, im JETZT anzukommen.

Diese bewusste Übergangserfahrung braucht es, damit Basis für das Kommende grundgelegt ist.

Wir können weder die Vergangenheit, noch die Zukunft leben.

Gelebt kann immer nur die Gegenwart, das „Jetzt“ werden. Wenn ich mich dem verschließe, bin ich immer auf der Flucht: entweder in die Vergangenheit oder in die Zukunft und ich versäume dabei das Leben. Das ist auch das Problem übertriebener und weitreichender Planungen, Vorsätze und Erwartungen, weil Leben in Dichte letztlich nicht planbar ist, sondern sich ereignet, während wir planen.

Es lohnt sich also, es durch Einübung zur Grundhaltung werden zu lassen, die Gegenwart, das Jetzt zu leben. Das erfordert freilich eines, was vielen sehr schwerfällt: bei mir selbst anzukommen, mich selber zu spüren und es mit mir selber aushalten zu können. So kann ich lernen ganz im Jetzt zu sein und die Gegenwart zu leben, Augenblick für Augenblick. Das nimmt uns zwar nicht generell aus der Schnelllebigkeit, der Hektik und dem Stress unserer Zeit heraus, aber es hilft uns, verantwortungsvoll und gestaltend damit umzugehen.

So kann der Jahreswechsel Einladung sein, die Kostbarkeit der Zeit (auch der eigenen Lebenszeit) neu zu entdecken, das Leben im Jetzt einzuüben und so im eigenen Leben Versöhnung mit der Vergangenheit, Offensein für die Zukunft und bewusstes Sein in der Gegenwart zur Einheit werden zu lassen.

Dann könnte dieser Jahreswechsel in der Tat ein besonderes Ereignis werden!

 

 

LEBEN IST

 

Du brauchst das Leben nicht festhalten
denn es ist (da)
Du brauchst den Augenblick nicht festhalten
denn er ist (da)
Du brauchst die Liebe nicht festhalten
denn sie ist (da)
Lass das Leben, den Augenblick, die Liebe
einfach nur sein

Warum willst du sie festhalten
mehr als sein geht nicht

 

(aus: Stephanie und Franz Schmatz, Umarme das Leben, EFFATA Verlag, S. 199)