Der Jänner ist für viele ein nicht sehr beliebter Monat! Jetzt kehrt wieder der Alltag ein, heißt es spätestens nach dem 6. Jänner! Der meist gefühlsintensive Dezember mit Advent und Weihnachten ist vorbei und die Höhepunkte der Faschingszeit und der Frühlingsbeginn kommen erst. So wird der Jänner eher mit gewöhnlichem Alltag in Verbindung gebracht.
Der sogenannte Alltag hat kein besonders gutes Image. Es tut sich weniger, weil Höhepunkte fehlen. Vielen kommt da der Begriff „langweilig“ in den Sinn. Das ist zunächst nicht überraschend für eine Zeit und eine Gesellschaft, in denen „Action“ im Vordergrund steht. Es muss sich etwas tun, lautet das Motto.
Wir kennen ja zwei Formen des Alltags: den der Hektik und des Funktionierens und den der Langeweile. An Hektik und Funktionieren haben sich viele gewöhnt, während der Umgang mit dem Alltag, der als langweilig erlebt wird, die größere Herausforderung zu sein scheint.
Aber hätte nicht gerade in unserer Zeit auch der sogenannte „langweilige“ Alltag eine besondere Bedeutung? Voraussetzung wäre, die Einstellung zu verändern, also nicht mehr das Defizit ( = Fehlen der Höhepunkte) zu sehen, sondern die Chance zu entdecken, die diese Form von Alltag für uns bereithält: z.B. das Tempo zu reduzieren, die Hektik einzubremsen, den Lärm zu verringern und aus dem hektischen Funktionieren herauszutreten. So könnte eine zeitlich begrenzte „Lange-weile“ eine Oase sein, in der wir zur Ruhe finden können.
Das Hinhorchen auf die Stimme des Lebens in uns ist oft in der Hektik und Unruhe des vollen Funktionierens nicht möglich. Daher kann uns der hektische und lärmintensive Alltag energetisch leer machen, der Alltag der „langen Weile“ dagegen kann mir helfen, neue Kräfte zu sammeln und den einen oder anderen kleinen Aufbruch der Veränderung zu wagen.
Es muss nicht unbedingt viel los sein und sich rundherum viel tun, um in gute Stimmung und ins Erleben zu kommen. Es ist die eine Seite der Medaille, wo alles von außen kommt und mich hochpuscht, die andere Seite ist, wenn ich das Außen reduziere und Stimmung und Erleben von innen genährt werden. Beides hat seine Bedeutung.
In diesem Sinne wäre es eine Chance, den Jänner nicht einfach hinter mich zu bringen, weil ihm vielleicht anregende und aufregende Höhepunkte fehlen, sondern als Monat zu gestalten, in dem durch mehr Ruhe im Außen (wie in der Natur!) meine innere Stimme und meine innere Kreativität zum Tragen kommen. Schließlich ist auch der Jänner ein wesentlicher Teil meiner so kostbaren Lebenszeit!
ICH BRAUCHE ZEIT FÜR MICH
Zeit zum Nachdenken, zum Träumen, zum Phantasieren
Zeit zum Lesen, zum Schreiben, zum Korrigieren.
Zeit, auf Wichtiges mich vorzubereiten und
Zeit, Erlebnisse zu verarbeiten.
Ich brauche Zeit, nach Hektik mich zu entspannen und
nach Zerstreuung mich wieder zu sammeln.
Zeit, mein verwirrtes Ich zu entbinden und
Zeit, zurück zur Mitte zu finden.
Habe ich genügend Zeit für mich
dann finde ich auch reichlich
ZEIT FÜR DICH.
(aus: Stephanie und Franz Schmatz Im Augenblick die Ewigkeit, EFFATA Verlag, S. 82)