Welche Bedeutung hat Ostern für Sie? Berührt Sie dieses Fest (noch) emotional? Gibt es eine Verbindung zwischen Ostern und Ihrem eigenen Lebensentwurf und der eigenen Lebensdeutung?

In der kirchlichen Liturgie gibt es eine Dramaturgie, die die Spannung zwischen Karfreitag (Tod) und Ostern (Leben) hochstilisiert.

Mir scheint es sinnvoll, Karfreitag und Ostern nicht gegeneinander auszuspielen, sondern darin die Polarität zu sehen und zu erfahren, die unser irdisches Leben kennzeichnet.

Ostern braucht förmlich den Karfreitag als Kontrasthintergrund, um als Ostern erstrahlen zu können. Wie das Leben den Tod als Kontrasthintergrund braucht, um als Leben leuchten zu können (wie der Sternenhimmel im Dunkel der Nacht). Wie soll ich mich als Licht erfahren, wenn ich mich nicht auch in der Dunkelheit erfahren habe? Licht und Dunkel zusammen ergeben das Ganze. So erfahre ich Karfreitag und Ostern zusammen als das Ganze, eben das Leben, eingebettet in die grenzenlose Liebe.

Dann geht es nicht mehr um die neugierige Frage: Wie war das damals genau? War wirklich Maria von Magdala als erste beim Grab Jesu? Oder: Hat Thomas wirklich den auferstandenen Jesus berührt?  Da geht es um viel Umfassenderes: Alle sogenannten Osterzeuginnen und Osterzeugen standen vor dem Geheimnis erfüllten Lebens in grenzenloser Dichte. Ja, sie standen nicht nur vor diesem Geheimnis unverlierbaren Lebens, sondern sie erlebten sich erstmals (weil ihr Herz dafür bereit war) als Teil dieses geheimnisvollen göttlichen Seins.

Das ist tiefste Erfahrung von Leben in grenzenloser Fülle. Da habe ich kein Bedürfnis mehr neugierig und analysierend oder auch konstruierend Fragen zu stellen, wie das alles erklärbar ist. Da habe ich ein ganz anderes Bedürfnis: nämlich ergriffen, berührt und zuversichtlich dankbar zu staunen. Das ist Leben, das ist Liebe!

Erklärungen, Vorstellungen, Analysen und Definitionen wollen Zugriff auf das Geheimnis. Sie gehen deshalb letztlich ins Leere und führen zu Beurteilung, Verurteilung, lieblose Auseinandersetzung, Machtanspruch und Ausgrenzung.

Das tiefste Geheimnis des Lebens und der Liebe lässt sich nicht begreifen oder gar besitzen, sondern im Staunen mit bereitem Herzen erfahren. Nicht ich ergreife das Geheimnis, sondern das Geheimnis ergreift mich und lässt mich erfahren, im göttlichen Sein und in der göttlichen Liebe geborgen zu sein, ja letztlich Teil des göttlichen Seins zu sein.

Das ist mein Zugang zu Ostern. Und wie ist Ihrer?

FRÜHLING, OSTERN – Auferstehung, Neubeginn!

  

Aufgewacht vom Winterschlaf, von den Toten auferweckt.
Vorbei die Dunkelheit, die Kälte, die Winterstarre.
Alles wächst, blüht auf und lacht.
Der Himmel lacht, die Sonne lacht, die Erde ebenso.
Die Vögel lachen mit und singen.
Die ganze Natur tanzt und lacht und singt.
Und du? – Sing auch dein Lied!
Stimme ein in den großen Ostergesang!
Sing dein Leid und tanze mit im Reigen des Frühlings!

 

(aus: Stephanie und Franz Schmatz, Worauf warten wir? Leben ist jetzt!, EFFATA Verlag, S. 54.)