Ein „Danke“ ist schnell gesagt! Aber wie viel Wirksamkeit steckt in dem so oft ausgesprochenen Wort? Wie oft kommt es wirklich aus dem Herzen?
Mir scheint, dass es heute weithin ein Defizit an echter und tiefer Dankbarkeit gibt. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass einerseits vieles selbstverständlich, und andererseits das Anspruchsdenken sehr ausgeprägt ist. Und die Erfahrung von „Verwiesenheit“ ist auch seltener geworden. Sie wurde abgelöst von der Einstellung „das steht mir zu!“ Damit wird auch die Grundhaltung der Dankbarkeit seltener.
Abgesehen vom Erleben in der eigenen Beziehung, erlebe ich die tiefsten Formen der Dankbarkeit in den Begleitungen von Menschen in Grenzsituationen des Lebens, und ganz besonders in der Begleitung von sterbenden und trauernden Menschen. Eine unvergleichlich berührende und tiefgehende Dankbarkeit darf ich erfahren, wenn zum Beispiel eine sterbenskranke Frau, die sich kaum noch bewegen kann, versucht, mich mit letzter Kraft zu umarmen. Oft mit den begleitenden Worten wie „ich möchte es noch alleine schaffen“. Dabei kommt Dankbarkeit wirklich aus der Tiefe des Herzens – spontan, ehrlich, echt und ohne Berechnung. Und es entsteht eine Brücke von Herz zu Herz. Es braucht Bereitschaft vom Gebenden und Empfangenden, dass Dankbarkeit auf beiden Seiten zur Quelle der Freude und Erfüllung werden kann.
Ich halte es für angebracht, öfter bewusst wahrzunehmen, wie es um die Grundhaltung der Dankbarkeit bei uns steht, wenn wir das Wort „Danke“ verwenden.
Eine gute Einübung kann sein, eine Zeit lang ein „Tagebuch der Dankbarkeit“ zu führen. Ich empfehle es manchmal Menschen in der psychotherapeutischen Begleitung, wenn sie mir erklären, dass sie in ihrem Leben nichts (mehr) finden, wofür sie dankbar sein sollten. Da gibt es oft schon nach kurzer Zeit überraschtes Erstaunen.
Auflebende Dankbarkeit lässt so manches in einem anderen Licht erscheinen, kann neue Perspektiven eröffnen und bringt schrittweise wieder Freude und Zuversicht ins Leben. Echte Dankbarkeit kommt aus dem Inneren und öffnet mich nach außen. Das eröffnet mir nicht nur neue Horizonte, sondern lässt mich auch Zufriedenheit erleben.
Das Kriterium für die Qualität und damit die Wirkung der Dankbarkeit ist klar: antrainierte, verordnete und erwartete Dankbarkeit bleibt von der Wirkung her leer. Spontane und vom Herzen herkommende Dankbarkeit schenkt Erfüllung, auch deshalb, weil sie nichts erwartet und zu nichts verpflichtet. So betrachtet erfahren wir echte Dankbarkeit nicht nur als Quelle der Freude, sondern auch als „Tochter“ der Liebe.
Ein Gebet
Lass mich sehen die vielen kleinen Dinge
für die mein Herz dankbar ist!
Lass mir aufsteigen dieses Gefühl
bis in den Kopf, das Hirn, den Geist,
dass ich es bewusst wahrnehmen
Und „Danke!“ sagen kann.
Ein Loblied will ich singen
für all das Schöne, das da ist.
Es gibt so viel, für das ich dankbar bin
mein Herz, mein Körper dankbar ist.
Nur oft ist es mir so wenig bewusst.
Mach mich sehend, weck mich auf!
Mein ganzes Leben soll ein Danklied sein
(aus: Stephanie und Franz Schmatz, Worauf warten wir? Leben ist jetzt! EFFATA Verlag, S.32)